Schulverwaldung statt Flächenversiegelung
Wer heute durch Kassel streift, stößt des Öfteren auf noch junge, aber bereits mächtig ausgreifende Bäume, zumeist Eichen, neben die zierlich wirkende Basaltsäulen in den Boden gelassen sind. Diese Bäume stammen aus der Kunstaktion „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ des Aktionskünstlers Joseph Beuys, die dieser 1982 im Rahmen der Documenta 7 veranstaltete. Kaum zu glauben, dass das damals zu heftigen Protesten innerhalb der Kasseler Bürgerschaft führte!
Ein genauer Setzplan ist notwendig
Mit Protesten gegen den „Tiny Forest“, der 44 Jahre später am 6. März auf dem Außengelände der MTS angelegt wurde, ist mit Sicherheit nicht zu rechnen: Rund hundert Schülerinnen aus allen Stufen engagierten sich, zwischen den weitgehend versiegelten Flächen von Lehrerparkplatz und Schulhof ein Wäldchen aus Hunderten Wildobstbäumchen und -sträuchern anzupflanzen, das im Laufe weniger Jahre zu einem nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Vögel und andere Tiere nahrhaften Biotop heranwachsen soll.
Einweisung der Gärtner und Gärtnerinnen durch Frau Ullrich (FS Biologie) und Frau Vogt (HLA)
Frau Keßler, Frau Knoflach (beide Förderverein), Herr Dr. Becker (Schulleiter), Herr Philipp (Erster Stadtrat), Herr Müller (SEB)
Die Idee stammt, wie die der „Tiny Houses“, aus Japan: Wo, anders als in Kassel, kein Platz für große Bäume ist, werden die Setzlinge so dicht nebeneinander gepflanzt, dass sie sich einerseits im Kampf um das Licht gegenseitig in die Höhe ziehen. So wächst schneller ein „Wald“ heran, als das sonst der Fall wäre. Andererseits werden die Bäumchen durch die dichte Bepflanzung daran gehindert, ihre Kronen allzu beherrschend in den Himmel zu recken. Hinzu kommt, dass hochwüchsige Arten wie Eberesche und Kirschpflaume in die Mitte und eher strauchartige Gewächse, z. B. Kornellkirsche und Johannisbeeren sowie Kräuter wie Walderdbeeren oder Waldmeister an den Rand gepflanzt werden. So entsteht ein selbst baumförmiger Miniwald, der in den heißer werdenden Sommern das Mikroklima rund um die Schule spürbar abkühlt, die Luft filtert und den Straßenlärm dämpft.
Besonders schön ist es, dass dieser kleine Wald aus dem Herzen der Schulgemeinde heraus im Zusammenwirken mit der Hofheimer Stadtgesellschaft entstanden sein wird. Dank gilt vor allem der Hofheimer Lokalen Agenda, dem Förderverein der Main-Taunus-Schule, Herrn Münster aus der Elternschaft, der eine großzügige Spende aus der Wirtschaft vermittelt hat, sowie Frau Tebartz und der Fachschaft Biologie und den Schülerinnen und Schülern, die sich im Schichtbetrieb für die Pflanzaktion zur Verfügung stellten und so einen weiteren, dauerhaften Identifikationsfaktor für ihre Schule schufen. Damit entspricht der neue Tiny Forest ganz dem Konzept einer „Sozialen Plastik“, unter das Beuys seinerzeit seine Aktion stellte. Im Herbst wird das Das Projekt „Schulverwaldung“ mit dem Areal rund um den großen Ahornbaum zwischen Sporthalle und Hauptgebäude fortgesetzt.
Peter Höfle
Geschafft!