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Rotary Berufsinformationstag: Auf dem Schulflur zum Traumberuf

(von Julia Wittenhagen / SEB)

Was soll ich nur werden? Diese Frage stellt sich immer öfter, je näher das Ende der Schulzeit rückt. Antworten gibt der Berufsinformationstag, der am 12. November wieder auf den Fluren der MTS stattfindet. Pilote, Ärzte, Rechtsanwälte, FSJ-Anbieter, Unis und große Firmen wie Procter & Gamble beantworten wirklich jede Frage. Die Aussteller ändern sich jedes Jahr: So sind beispielsweise Peek & Cloppenburg und die Software AG in diesem Jahr erstmals dabei.

Organisiert wird das Ganze von Lehrerinnen und Eltern der MTS sowie zwei Rotariern, dem Zahnarzt Henry Henftling und dem Rechtsanwalt Martin Meissner. Wir haben die beiden Vielbeschäftigten gefragt, warum sie in ihrer Freizeit Berufstätige für den Abend an der MTS zusammentrommeln.

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Mitinitiatoren der Berufsinfomesse: v.l.n.r. Dr. Henry Henftling und Prof. Martin Meissner

Herr Dr. Henftling, Herr Prof. Meissner, seit Jahren unterstützen Sie den Berufsinformationstag der Main-Taunus-Schule. Warum liegt Ihnen diese Veranstaltung am Herzen?
MEISSNER: Die Berufswahl ist der Einstieg in den Beruf und deshalb wichtig. Der gewählte Beruf wird nämlich eine lange Zeit nicht nur das berufliche, sondern wohl auch einen Teil des sozialen Lebens bestimmen. Die Entscheidung ist sorgfältig zu treffen. Das direkte Gespräch mit verschiedenen Berufstätigen an einem Termin ist eine einmalige Gelegenheit, die Entscheidung auf Informationen aus erster Hand zu stützen.


Als Sie selbst 17 oder 18 waren, wer oder was hat Ihnen geholfen bei der Entscheidung, was Sie nach der Schule machen?
HENFTLING: Meine Berufswahl wurde zum großen Teil durch Zufälle bestimmt. Ein glücklicher Umstand führte mich doch noch aufs Gymnasium. Meine Leistungssteigerung kam erst ab Klasse 10. Das ermöglichte es mir, einen inneren Wunsch zu erfüllen, Arzt zu werden. Zahnmedizin ergab sich dann durch ausgeprägte Feinmotorik.


MEISSNER: In erster Linie waren die bekannten Erwachsenen Vorbilder, wobei natürlich die betreffenden Personen sehr stark auch den vermeintlichen Eindruck vom Beruf prägten. Noch während der Schulzeit habe ich an Seminaren der Hochschule und Management-Einführungen lokaler Unternehmen teilnehmen können. Diese Erfahrungen und Eindrücke waren sehr hilfreich. Die Möglichkeit, im direkten Austausch Vertreter verschiedener Berufe zu interviewen und so auch unmittelbar vergleichen zu können, hatten wir nicht. Insofern ist der Berufsinformationstag für mich eine herausragende Idee und bietet große Chancen.

Herr Prof. Meissner, Sie sind als Rechtsanwalt Partner in einer weltweit tätigen Kanzlei und begleiten die Finanzierung, den Kauf und Verkauf großer Immobilienprojekte. Zudem sind Sie Professor an der Hochschule in Mainz. Hatten Sie so eine Karriere schon im Sinn, als Sie Abitur machten?
MEISSNER: Nach dem Abitur hatte ich keine konkrete Vorstellung von dem, was einmal mein Beruf sein sollte. Neugierig zu sein und so viel wie möglich zu erfahren, war meine Leitlinie. Jura bot da ein weites Feld. Erstes juristisches Staatsexamen in Würzburg, Magister Politikwissenschaften in New York, im Referendariat als Vorbereitung auf das zweite juristische Staatsexamen wurden verschiedene juristische Berufe vorgestellt. Wir durchliefen die Stationen bei Gericht, Staatsanwaltschaft, Verwaltung, Rechtsanwaltschaft. Mich begeisterte der Rechtsanwaltsberuf mit Abstand am meisten. Er lässt auch zu, dass ich weiter Vorlesungen halte, was ich schon während der Studien- und Referendariatszeit beim Repetitor und an der Universität gemacht hatte. Mein Berufswunsch war also nicht vorgegeben, sondern hat sich entwickelt.

Herr Dr. Henftling, Sie sind Zahnarzt mit eigener Praxis in Schwalbach. War Ihr Weg ein ganz geradliniger? Musste man damals auch schon so einen enorm guten NC haben? 
HENFTLING: Zu Anfang war es einfach und geradlinig, bis die Gesundheitsminister mehrere Gesundheitsreformen auf den Weg brachten. Dieser Umstand hat den Zahnärzten ihre Berufsausübung deutlich erschwert. Auch heute haben wir im europäischen Vergleich viel mehr Auflagen und Gesetze zu erfüllen. Der NC für Zahnmedizin war meiner Erinnerung nach im Jahr 1977 1,5, heute ist er je nach Bundesland und Universität zwischen 1,1 und 1,4.

Was hat die Weichen gestellt für Ihre Karriere?
MEISSNER: In der Rückschau sehen die meisten Karrieren logisch und zwingend aus. Dabei werden zahlreiche Weichen durch unerwartete Ereignisse oder mutige Entscheidungen gestellt. Auch führt nicht jeder Weg weiter – wohl aber die Erfahrung, die auf jedem Weg gemacht wird. Meiner Einschätzung nach hat mir bisher geholfen, stets offen zu sein, auch für Neues und Unerwartetes.

Was würden Sie heute anders machen?
HENFTLING: Ich würde heute keine Einzelpraxis mehr gründen, sondern eine Praxisklinik, wo die die Gesamtverantwortung auf viele Ärzte verteilt ist.

MEISSNER: Die sich verändernde Welt stellt viele und interessante Aufgaben – auch an Juristen. Deshalb würde ich wohl wieder Jura studieren. Wie der Weg dann verlaufen, welche Weichen gestellt und welche Entscheidungen dann getroffen werden würden, weiß ich natürlich nicht. Es wäre großartig, dass in Erfahrung bringen zu können!

Herr Dr. Henftling, was ist nicht so schön am Beruf Zahnarzt und was macht am meisten Spaß?
HENFTLING: Die Behandlung am Menschen ist immer lohnenswert, sowohl materiell als auch idealistisch. Menschen von Leid und Schmerzen zu befreien - Zahnschmerzen können sehr heftig sein - ist eine dankbare Aufgabe. Auch einem Menschen ein schöneres Lächeln zu geben, ist sehr befriedigend. Schwierig an dem Beruf sind die nicht zu unterschätzenden körperlichen Belastungen auf den Halte-und Stützapparat des Zahnarztes.

Herr Prof. Meissner, in großen Kanzleien kann man viel Geld verdienen, muss aber auch einen sehr hohen Arbeitseinsatz bringen. Wie hält man es über längere Zeit aus, 60 Stunden zu arbeiten und kaum Freizeit zu haben?
MEISSNER: Die Verantwortung, die ich für eine Sache übernehme, messe ich nicht in Zeit. Wer so richtig für eine Sache brennt, zieht seine Motivation genau daraus. Der Beruf des Rechtsanwalts bietet auch schon Berufseinsteigern die Übernahme von Verantwortung. Im Übrigen wird auch – um nur wenige Beispiele zu nennen - im Gesundheitswesen, der Entwicklung, der Wirtschaftsprüfung und der Unternehmensberatung viel und hart gearbeitet.

Ist es ein guter Rat, auf sein Herz zu hören und das zu verfolgen, was man richtig gerne macht, oder muss man auch ans Geld verdienen denken?
HENFTLING: Wenn es der Herzenswunsch eines Schülers ist, Menschen auf höchster Ebene körperlich zu helfen, zu heilen, dann sollte man auf sein Herz hören und bei der Studienwahl alle Register ziehen. Die berufliche Erfüllung wird der Dank sein. Der materielle Erlös für ärztliche/zahnärztliche Arbeit ist in Deutschland noch im akzeptablen Bereich.

Was ist Ihr wichtigster Rat für die Abiturienten von heute?
MEISSNER: Breite Bildung/ Ausbildung, Fremdsprachen, Vernetzung, Freude an Veränderungen, lebenslanges Lernen: Infolge der sich ständig ändernden Welt, verändern sich auch Inhalte und Anforderungen der beruflichen Tätigkeiten. Es ist nicht zu erwarten, dass jemand in 30 Jahren exakt dasselbe macht wie als Berufseinsteiger.

HENFTLING:  In der heutigen Zeit ist eine akribische Berufsvorbereitung von großer Bedeutung. Die neu entstehenden Berufsbilder müssen genau analysiert werden. Eignungstests, von verschiedenen Firmen angeboten, sind meiner Meinung nach ein probates Mittel, seinen eigenen Fähigkeiten ein Stück näher zu kommen.

Ansprechpartner an der Schule für Fragen zum Berufsinformationstag:

Nadine Gerhard und Kirsten Eisenmann

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