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Unsere Schule

Die Flucht des DDR-Sportidols Jürgen May

Vom Weltrekordler zum Verfemten

Die Main-Taunus-Schule und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung begrüßen am Dienstag, 03.11.2020, den Thüringer Weltrekordler und DDR-Flüchtling Jürgen May zum Zeitzeugengespräch. Die Einführung in das Thema „Republikflucht im DDR-Sport“ übernimmt der Berliner Historiker Dr. René Wiese (Zentrum deutscher Sportgeschichte). Das Gespräch findet um 10.00 Uhr in der Aula der Main-Taunus-Schule in Hofheim statt.

„Vom Weltrekordler zum Verfemten“ lautete im Jahr 1967 eine Artikel-Serie der Bildzeitung, die ihren Lesern die spektakuläre Flucht des einstigen DDR-Sportidols Jürgen May nahe brachte. May – Thüringer Spitzensportler und Weltrekordler in der Leichtathletik – wurde im Jahre 1965 zum Sportler des Jahres in der DDR gewählt. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt geriet May ins Visier der Staatssicherheit. Nach der „Republikflucht“ seines Bruders galt Jürgen May als potentieller Flucht-Kandidat. Als bei der Europameisterschaft im Jahre 1966 bekannt wurde, dass er einen Mannschaftskameraden dazu überreden wollte, im Finale die westdeutsche Marke „Puma“ zu tragen, kam es zum Eklat. May wurde von der DDR lebenslang gesperrt. Mit Hilfe professioneller Fluchthelfer gelang May im Juli 1967 die abenteuerliche Flucht von Budapest über die österreichische Grenze in den Westen. Doch konnte er seine Karriere in der Bundesrepublik vorerst nicht fortsetzen – die DDR verhinderte eine Teilnahme an der Europameisterschaft 1969 in Athen durch ihr sportpolitisches Veto. Erst danach nahm er am internationalen Wettkampfgeschehen, allerdings nun im Trikot der Bundesrepublik, wieder teil. Die Biografie von Jürgen May ist ein Beispiel dafür, wie Spitzensportler in die Fänge der DDR-Staatssicherheit gerieten und in der Systemauseinandersetzung des Kalten Krieges aufgerieben wurden. Anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit möchte die Schülerveranstaltung an die deutsche Teilung erinnern.

Text: Dr. René Wiese

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