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Unsere Schule

Annas Wunder

Der Abiturjahrgang durfte am 6. Februar 2020 an der Zeitzeugenveranstaltung im Exerzitienhaus St. Josef in Hofheim teilhaben. Dazu wurden extra Zeitzeugen aus Polen eingeflogen, um uns von ihren Erfahrungen und Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges zu erzählen.

Mithilfe eines Dolmetschers schilderte Anna Janowska-Cioncka die damalige Zeit aus Sicht einer jüdischen Familie in Rabka, einer Kleinstadt in Polen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war Anna gerade einmal drei Jahre alt und musste schon damals Zeugin der Gewalt und des Terrors der Nazis werden. Anna und ihre Familie waren durch die „Säuberungen“ in ihrer Heimatstadt (Massenvernichtungen der Juden) gezwungen diese zu verlassen. Kaum jemandem konnte man vertrauen, doch ein Schuldirektor verhalf ihnen zur Flucht in ein 100 km entferntes Dorf. Dort mussten sie sich für viele Jahre versteckt halten.

Wir folgten ihrer Lebensgeschichte aufmerksam und voller Mitgefühl. Als wir hörten, dass Annas Mutter Juden, unter anderem auch ihre eigene Mutter unter Zwang zu den Massenerschießungen in den sicheren Tod führen musste, waren wir von dieser Grausamkeit besonders schockiert. Die ständige Angst, nach Hause zu kommen und ihre Familie nicht mehr aufzufinden, prägte Anna in ihrer Kindheit. Besonders getroffen hat uns die Tatsache, dass sie sich trotz ihres jungen Alters der Gefahr jederzeit bewusst war. Unter den vielen grausamen Menschen der damaligen Zeit fanden sich jedoch auch einige hilfsbereite, vertrauenswürdige Menschen. Besonders bemerkenswert empfanden wir den selbstlosen Schuldirektor, der das Leben der jüdischen Familie über sein eigenes stellte und sie so rettete. Auch ein glücklicher Zufall verhalf der Familie zum Überleben: Ein NS-Offizier drückte bei der Kontrolle der offensichtlich gefälschten Pässe ein Auge zu und so entkam die Familie ihrem Schicksal.

Während des Erzählens holten Anna ihre Erinnerungen wieder ein, was man ihr anmerken konnte. Erst in den letzten 10 Jahren widmete sie sich der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, nachdem sie diese über 60 Jahre verdrängt hatte. Heute beschreibt Anna – wie schon ihre Mutter – dies als ein wunder. Ein Wunder, dass sie überlebt haben.

Annas tragische und sehr bewegende Geschichte aus dieser schrecklichen Zeit wird uns für immer in Erinnerung bleiben und wir sind dankbar, dass wir als vermutlich einer der letzten Jahrgänge die Möglichkeit hatten, solche Einblicke in die Vergangenheit gewährt zu bekommen.

Laura Blumenbach, Charlotte Grebner, Laura Lünenbürger, Amélie Miller

Zeitzeuge.Exerzitienhaus

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